Warum gibt es Religionskriege?

Auszug aus dem Buch Betrachte Dich mit den Augen der Liebe:

... Es ist überaus wichtig, sich stets vor Augen zu halten, dass es bei den Religionskriegen oder bei Kämpfen, die im Namen Gottes geführt werden, überhaupt nicht um Glaube oder Religion geht, sondern ausschließlich darum, einen Vorwand zu haben, die Kriegslust und den Impuls zum Töten auszuleben.

Es klingt vielleicht paradox und ist befremdend, wenn man behauptet: Gerade der Gottlose, der Gott überhaupt nicht kennt, ist derjenige, der aus seiner Unkenntnis Gottes wagt, Gottes Namen zu missbrauchen. Er rechtfertigt seine Aggressionen, sein Morden, indem er sich auf Gott beruft. Man könnte sogar sagen, dass ein Machthaber, der aus rein profanen Gründen wie Besitzeroberung, Vergeltung u. a. Krieg führt, vor Gott mehr Respekt haben kann als jener, der die Menschen auffordert oder sogar aufwiegelt, eine andere Gemeinschaft, ein Volk, also die „Nächsten“, im Namen Gottes zu überfallen und zu töten.

Es ist ein langer Weg, auf dem die Menschen, so auch Gottes „Propheten“ lernen, dass sich Gott nicht nach ihnen, nach ihren Wünschen zu richten hat, sondern dass sie selber sich nach Gott zu richten haben, indem sie „Gottes Willen“ geschehen lassen und diesem in allem folgen, dem „Willen“ nämlich, der tatsächlich Gottes Wille ist.

Und was in Wahrheit Gottes Wille ist, darüber belehrt uns Jesus: Nicht Kriege führen, nicht „Aug’ um Auge, Zahn um Zahn“ vergelten, sondern im Gegenteil: friedfertig sein, auch die andere Backe hinhalten, wenn man einmal geschlagen wurde (Mt 5,38-39).